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USA / Disclosure

Kein Maulkorb mehr? Was das ODNI-Memo zu UAP-Zeugen wirklich bedeutet

Ein Memo des Office of the Director of National Intelligence hebt Schweigepflichten für UAP-Zeugen auf. Was das rechtlich bedeutet - und was es ausdrücklich nicht ist.

Das Weiße Haus in Washington D.C., Blick von der Nordseite

Was passiert ist

Am 31. Juli 2026 unterzeichnete Aaron Lukas, Principal Deputy Director of National Intelligence, ein unklassifiziertes Memorandum an alle Komponenten der US-Geheimdienstgemeinschaft (Intelligence Community, IC). Der Kern: Bestehende Verschwiegenheitsverpflichtungen - Non-Disclosure Agreements (NDAs), Amtseide, Geheimhaltungsvereinbarungen - werden für aktuelle und ehemalige Regierungsmitarbeiter sowie Auftragnehmer aufgehoben, sofern diese im Rahmen des PURSUE-Programms mit autorisierten Vertretern von AARO (All-domain Anomaly Resolution Office) oder der zuständigen Task Force sprechen.

Alle IC-Komponenten müssen laut Memo binnen 30 Tagen einen sogenannten PURSUE-Designierten benennen und ihre Belegschaft informieren. Ausführliche Meldeverfahren sollen laut dem Text innerhalb der folgenden 30 Tage an die Behörden verteilt werden.

Was das Memo konkret ändert

Bislang konnten sich (ehemalige) Regierungsangestellte mit Wissen über UAP-Programme auf rechtliche und vertragliche Verschwiegenheitspflichten berufen, um eine Aussage zu verweigern - auch gegenüber eigens dafür eingerichteten Untersuchungsstellen. Das Memo soll diesen Automatismus für den autorisierten PURSUE-Kanal aufheben. Wer also über tatsächliches Wissen zu UAP-Programmen verfügt, kann sich künftig nicht mehr allein mit Verweis auf eine NDA der Aussage entziehen, wenn er innerhalb dieses Kanals aussagt.

Was es ausdrücklich nicht ist

Wichtig für die Einordnung: Zwei ranghohe Regierungsvertreter stellten gegenüber Fox News klar, dass es sich hierbei nicht um eine generelle Deklassifizierungsanweisung handelt. Jede Aussage, die im Rahmen dieses Kanals gemacht wird, durchläuft weiterhin das reguläre Verfahren zur Einstufung und möglichen Freigabe. Der NDA-Waiver öffnet also einen Gesprächskanal - er garantiert nicht, dass daraus etwas öffentlich wird, und er ist auch keine pauschale Immunität vor rechtlichen Konsequenzen außerhalb dieses spezifischen Rahmens.

Repräsentant Eric Burlison (R-Mo.), der sich seit Längerem für Whistleblower-Schutz einsetzt, äußerte in einer eigenen Stellungnahme Vorbehalte: Es sei unklar, ob die Aufhebung auch für Aussagen gelte, die zunächst dem Kongress und erst danach der Exekutive zugehen. Er empfiehlt Personen, die auf Basis der Direktive aussagen wollen, ausdrücklich, sich neben anwaltlichem Beistand auch die Anwesenheit eines Kongressmitglieds zu sichern.

Einordnung

Aus quellenkritischer Sicht ist das Memo ein belegbarer institutioneller Schritt - kein neuer Beweis für irgendetwas Konkretes. Es verändert die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür, dass Zeugen sprechen können, sagt aber nichts darüber aus, ob und was sie sagen werden, oder ob deren Aussagen in der Sache zutreffen. Die entscheidende Frage für die kommenden Monate lautet daher nicht, ob mehr geredet wird, sondern ob aus mehr Gesprächen auch überprüfbare, dokumentierte Belege werden - oder ob es bei weiteren unbelegten Aussagen bleibt.

Der vollständige Memotext ist derzeit vor allem über die Wiedergabe des Astrophysikers Avi Loeb öffentlich zugänglich, der als Chair des UAP Science Advisory Council selbst Teil der Disclosure-Struktur ist. Eine unabhängige Gegenprüfung an der Primärquelle (ODNI beziehungsweise dem Fox-News-Exklusivbericht) steht noch aus und wird von True Skies nachgereicht, sobald verfügbar.

Dieser Beitrag wird aktualisiert, sobald weitere Details oder eine offizielle Veröffentlichung des Memotextes vorliegen.