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Europa / Frankreich

Ufologie im Palais Bourbon: Frankreichs ruhiger Gegenentwurf zur US-Disclosure

Während die USA Akten in großen Chargen freigeben, wählte Frankreich einen anderen Weg: ein parlamentarisches Kolloquium zur wissenschaftlichen Rationalität der UAP-Forschung.

Fassade des Palais Bourbon in Paris, Sitz der französischen Nationalversammlung

Ein Novum im Palais Bourbon

Am 29. Juni 2026 fand im Palais Bourbon, dem Sitz der französischen Nationalversammlung, ein erstes parlamentarisches Kolloquium zum Thema statt: "La recherche sur les phénomènes aérospatiaux non identifiés (PAN): au-delà des fantasmes" - sinngemäß: die Erforschung nicht identifizierter luft- und raumfahrtbezogener Phänomene, jenseits von Hirngespinsten. Organisiert wurde die Veranstaltung im Salle Victor-Hugo von den Abgeordneten Arnaud Saint-Martin (La France insoumise, ehemaliger Wissenschaftssoziologe am CNRS) und Pierre Henriet (Horizons), beide Mitglieder des parlamentarischen Amts für die Bewertung wissenschaftlicher und technologischer Entscheidungen (OPECST).

Drei Runde Tische

Das Programm gliederte sich in drei Themenblöcke: die Geschichte und Wissenschaft der PAN-Forschung, die Arbeit von GEIPAN (dem staatlichen französischen Untersuchungsbüro für diese Phänomene) gemeinsam mit der Luft- und Raumfahrtwaffe, sowie internationale Initiativen mit Fokus auf die USA. Am dritten Runden Tisch nahm GEIPAN-Direktor Frédéric Courtade persönlich teil.

Die Haltung der Organisatoren

Beide Organisatoren betonten ausdrücklich, dass es nicht um Bekenntnis oder Ablehnung ginge. Pierre Henriet formulierte es sinngemäß so: Man sei nicht zusammengekommen, um Glaubensfragen zu entscheiden, sondern um zu zeigen, dass hinter dem Thema eine ernsthafte Rationalität steckt. Arnaud Saint-Martin beschrieb den Ansatz als Untersuchung derjenigen, die selbst untersuchen, statt vorschnell ein Urteil zu fällen.

Laut Berichten des Senders LCP wollte Henriet mit dem Format bewusst einen Gegenpunkt zur US-amerikanischen Strategie setzen, die auf große, medienwirksame Aktenfreigaben setzt.

GEIPAN in Zahlen

GEIPAN untersucht laut eigenen Angaben rund einhundert Fälle pro Jahr. Der Anteil der Fälle, die nach Abschluss der Untersuchung als schlicht ungeklärt eingestuft werden (Kategorie D), liegt bei etwa drei bis dreieinhalb Prozent. Das ist ein wichtiger Kontrast zur oft dramatisierten öffentlichen Wahrnehmung: Der weit überwiegende Teil der gemeldeten Beobachtungen lässt sich am Ende konventionell erklären.

Was das Kolloquium nicht war

Wichtig für die Einordnung: Aus der Veranstaltung ging kein konkretes Gesetzesvorhaben und keine neue Institution hervor. Es handelte sich um ein parlamentarisches Diskussionsformat zur Legitimierung des Themas als ernsthaften Forschungsgegenstand - nicht um einen gesetzgeberischen Auftakt vergleichbar mit dem amerikanischen PURSUE-Programm oder dem Burlison-Zusatz im US-Kongress.

Einordnung

Das französische Format bietet einen bemerkenswerten Kontrast zur amerikanischen Herangehensweise: statt großer, öffentlichkeitswirksamer Aktenchargen setzt Frankreich auf die institutionelle Aufwertung einer bereits seit Jahrzehnten bestehenden, eher unspektakulären Behördenstruktur. GEIPAN existiert bereits lange und veröffentlicht regelmäßig Fallakten - das Kolloquium war insofern weniger ein Neuanfang als eine parlamentarische Sichtbarmachung bestehender Arbeit.

Für die deutschsprachige Berichterstattung ist das ein nützlicher Gegenpol: Es zeigt, dass sich staatliche Auseinandersetzung mit UAP nicht zwangsläufig über große Enthüllungsnarrative vollziehen muss, sondern auch als nüchterne, quotenmäßig belegte Verwaltungsarbeit funktionieren kann. Aus dem D-A-CH-Raum gibt es aktuell kein vergleichbares parlamentarisches Format - hier bleibt es bei den etablierten zivilen Stellen wie CENAP in Deutschland.